2026-10-13
Die Alternative neulich zum Besuch von Digger, war eine Aufführung von The Spiral Staircase, dem Klassiker von Robert Siodmak, der im Metropolis lief. Wer kennt den heute noch?
Und da ich mich gerade in Griechenland langweile, kam mir die Idee, mich an den langsam heranzuarbeiten. Und ich starte mit diesem hier, nicht ganz so berühmt, aber fast. 1946, Robert Siodmak, The Dark Mirror.
Ein Mord geschieht. Zeugen identifizieren die Mörderin. Es gibt keinen Zweifel, schon gar nicht für den Police Lt. Thomas Mitchell. Es war Ms. Collins, Olivia de Havilland. Das ist schon einmal der erste Twist. Spielt der geniale Thomas Mitchell hier endlich einmal eine Hauptrolle? Nein, tut er nicht. Dafür Olivia de Havilland doppelt. Es stellt sich heraus, dass es zwei Ms. Collins gibt, Ruth und Terry. Und da sich die beiden gegenseitig decken, kann es zu keiner Anklage kommen. Und, um es gleich zu sagen de Havilland ist überiridisch gut hier. Gleich in der Eröffnungszene mit den beiden ist klar, Terry ist die kühle, dominierende, Ruth die zurückhaltene, sich unterwerfende. Aber, und das ist das besondere, obwohl sie für den Zuschauer sofort von der Art wie sie sprechen und lächeln auseinanderzuhalten sind, sind die Unterschiede sehr subtil. (Im Verlaufe des Films tragen sie Ketten mit ihrem Namen oder Broschen mit dem ersten Buchstaben, völlig unnötig.)
Nun kommt ein bekannter Zwillingsforscher ins Spiel, Lew Ayres (der seine Sache gut, aber nicht toll macht). Er möchte die beiden gegen 25$ pro Sitzung untersuchen (und vielleicht Mitchell, den es wurmt, dass „das System“ hier versagt und eine Schuldige gehen lassen musste, einen Tipp geben). Die selbstbewusste Terry geht darauf ein, und Ruth macht natürlich mit. Natürlich verliebt sich der Doktor in Ruth, und Terry sich in ihn.
Wenn man so alt ist wie ich, hat man erlebt wie der Rohrschachtest von seiner Rolle als geniale Methode in den Geist von Menschen zu schauen, zu einem Firlefanztrick ohne wissenschaftliche Bedeutung herabgerutscht ist. Aber hier leuchtet das sofort ein. Was Terry sieht lässt sie, ohne dass sie selbst den Hauch einer Ahnung hat, als psychopathisch erscheinen, während Ruth sich mit ihren Antworten als lieb und liebenswürdig und normal präsentiert. Der Lügendetektortest beweist endgültig, dass mit Terry etwas nicht stimmt. Und wir erfahren, dass in früher Kindheit ihre Schwester hätte adoptiert werden sollen, sie ausdrücklich nicht. Und natürlich waren alle immer in Ruth verliebt. Man fühlt mit ihr. Warum, fragt sie sich. Sie ist doch genau gleich (und wenn, dann besser, nämlich schlauer.)
Die Leistung von De Havilland bringt den Film in 9er-Nähe, allerdings, ist dann das Ende grauenhaft. Oder, wie es bei IMdB heißt, unplausibel. Terry nämlich, in iher Eifersucht, denn natürlich findet sie heraus, dass der Doktor die Schwester liebt, bringt die etwas tumbe Schwester dazu, nun ihrerseits an ihrem Verstand zu zweifeln, und sich umzubringen. Nicht wirklich natürlich, wir brauchen ein happy end. Aber glaubwürdig genug für Terry, die sich nun für Ruth ausgibt.
Dabei hätte der Film großartig sein können, wenn sich herausgestellt hätte, das wirklich Ruth die Mörderin gewesen ist (ein nachvollziebares Motiv lässt sich immer konstruieren) und Terry sie geschützt hat. Aber das ist vielleicht zuviel erhofft.
Für mich deshalb so gut, weil Terry nie meine Sympathie verliert. Aber Ruth eben auch nicht, obwohl zu lieb, zu loyal, zu dumm. Den Oscar hat sie für diese Rolle nicht erhalten. Der ging an… Olivia de Havilland in To Each his own.
(Und nebenbei. Ein Film gehört mit Opening Credits eingeleitet. Und wenn dann da steht Musik: Dimitri Tiomkin, weiß man, dass nicht viel schief gehen kann)
youTube 8/10 (IMdB: 7,0 - 6.457)
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