Liedzeit

Sunrise: A Song of Two Humans

2026-07-17

Bisher war der einzige Stummfilm, den ich je im Kino gesehen hatte, Metropolis. Nun kommt dieser schöne Film von F.W. Murnau (den der Herr, der die Vorstellung machen durfte, Murnak nannte) hinzu.

Ein junger Farmer (George O'Brien) steht unter dem unguten Einfluss einer Frau aus der Stadt (Margaret Livingston). Die ist so verrucht, dass sie sogar raucht. Dabei hat er doch schon eine Frau (Janet Gaynor) und ein Kind. Margaret überredet den etwas tumben Mann dazu, seine Gattin zu töten. Er macht eine Rudertour mit ihr und gedenkt, sie ins Wasser zu stoßen. Doch während seine Arme gerade die Frau packen sollen, kommen ihm Bedenken. Er rudert schnell wieder ans Ufer, wo seine Frau schnell an Land hüpft und wegläuft. Mehr als verständlich. Das alles passiert in den ersten zehn Minuten des Films. Wie geht das weiter.

Nun, der Mann läuft seiner Frau hinterher. Die flieht mit einer Straßenbahn in die Stadt, die der Mann aber auch noch erreicht. Sie solle sich nicht mehr fürchten, sagt er. Es gibt sehr, sehr wenige Einblendungen mit den Dialogzeilen. Der ganze Film lebt von den Bildern, wie es sich eigentlich für einen Film gehört. Sie fürchtet sich aber. Und nun geht es nur darum, dass er ihr dennoch folgt. Blumen schenkt. Und ganz allmählich verliert sie tatsächlich ihre Furcht. Sie gehen zu einem Barbier, so dass er anschließend auch noch freundlich aussieht, dann auf einen Jahrmarkt. Sie tanzen. (Er fängt zwischendurch ein Ferkel.)

Schließlich rudern sie, glücklich wieder vereint, zurück. Ein Sturm kommt auf, sie geht über Bord. Es gibt einen Suchtrupp, der umherpaddelt, aber die Suche aufgibt. Was tut der tumbe Held? Er versucht, die Frau aus der Stadt zu würgen, da aber erreicht ihn die schöne Nachricht, dass die Gattin doch gefunden wurde. (Leider hatte der doofe Einführende gespoilert, dass es zu einem Happy End kommen würde). Schade, ich hätte es besser gefunden, wenn die Gattin ertrunken, er die Stadtfrau getötet und dann selbst gehängt worden wäre.

Janet Gaynor hat einen Oscar erhalten, der Film selbst einen für künstlerische Produktion und Kamera. Er war damals ein Flop. Bestimmt wegen des Happy Ends.

In der Tat ist die Kamera sensationell. Ein sehr ungewöhnlicher und schöner Film.

Das Ganze wurde übrigens live von einer Gitarrencombo begleitet, die fand ich zuerst störend, gewöhnte mich aber. Die Musik war auch ganz und gar nicht schlecht. Aber warum die Jungs auf die Idee kamen, dass Hey Joe zu dem Thema passen würde, ist ein größeres Rätsel.

Freilichtkino Ratzeburg. 8/10


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