Liedzeit

Nuremberg

2026-05-20

Ein Film über den ersten Nürnberger Prozess mit Russell Crowe als Göring. Mit Rami Malek, John Slattery und Michael Shannon, wie könnte ich mir den nicht ansehen? Allerdings hat der miserable Kritiken erhalten, und James Vanderbilts letzter Film Fountain of Youth ist einer der schlechtesten Filme aller Zeiten.

Was die schlechten Kritiken betrifft, ich kann sie verstehen. Der Film hat, gelinde gesagt, handwerkliche Schwächen, historisch ist das nicht ganz richtig, und das Verhältnis von Göring zu dem Psychiater (Malek) ist so richtig glaubwürdig nicht. Es geht um folgendes: Göring ergibt sich und nun möchte Michael Shannon ihm und den anderen Nazi-Größen den Prozess machen. Dafür gab es keinen Präzedenzfall, und natürlich kann man, und muss man vielleicht, das auch als ein Beispiel für Siegerjustiz betrachten.

Crowe als Göring ist gut, Malek aber auch nicht so schlecht, wie die Kritiken vermuten ließen (Shannon und Slattery wie immer stark). Aber Crowe ist nicht gut genug, denn er sollte so charsimatisch sein, dass man als Zuschauer, wie Malik, glauben kann, dass er dem Staatsanwalt keine Chance lassen würde.

Ich fand den Film dennoch gar nicht schlecht. Besonders die Figur des Dolmetschers (Leo Woodall), der ein Jude ist und Streicher, der von sich behauptet, Juden riechen zu können, am Schluss hilft, seinen letzen Gang zu gehen, eine berührende Szene (und passend zu einem Essay, den ich gerade letzte Woche las: Rache ist sauer, von George Orwell, worin es genau um das Thema ging, wie Opfer des Nationalsozialismu auf Rache verzichteten, als sie die Gelegenheit dazu hatten.)

Eine neue Generation muss auf diese Geschichte aufmerksam gemacht werden, und das tut der Film, inklusive von im Prozess gezeigten KZ-Aufnahmen (so wie es der, ungleich bessere Judgement of Nuremberg auch gemacht hatte.)

Abaton, 8/10


Kommentare

Keine Kommentare bisher.

Kommentar hinzufügen



|