Liedzeit

Adams Acht

2026-10-31

Der ehemalige Boxer Konrad Adam (Oliver Masucci) hat als Lehrer in der Napola gearbeitet, und wir begegnen ihm in der ersten Szene 1947 bei der Entnazifizierung. Bescheiden und reumütig, ja gegen Max Schmeling hat er auf die Fresse bekommen. Nun will er in Ratzeburg einen Box-Club gründen, der Bürgermeister schlägt Angeln vor, und so bildet er schliesslich Ruderer aus.

Die werden erst Deutscher Meister im Achter, dann Weltmeister und schließlich 1960 in Rom Olympiasieger. Unter den Achten ist auch Hans Lenk (Felix Kammerer), der später berühmte Philosoph, und ein Junge (Leonard Kunz), Gammel genannt, der für das proletarische Element verantwortlich ist.

Das geht bemerkenswert klischeefrei vor sich. Wir lernen etwas über das Nachkriegsdeutschland kennen. („Warum hassen uns alle so?“) und allgemeine Lebensmaximen. Die Starken müssen die Schwachen mitziehen. (Außer Lenk und Gammel haben sich die anderen Jungs so weit noch nicht von der nationalsozialistischen Ideologie entfernt.)

Lenk hat außerdem seine Freundin (Svenja Jung) im Osten sitzen. Zu der rudert er immer über den Ratzeburger See. Was damals noch ging, aber natürlich nicht erlaubt war. Ein bisschen Ost-West-Konflikt. (Und auch, darf man Frau und Kinder vernachlässigen, wenn es um was Großes geht?)

Mir hat das sehr gut gefallen, vor allem weil wir das einen Steinwurf vom Ort des Geschehens gesehen haben und darum vielleicht einen Tick zu großzügig:

Burgtheater Ratzeburg, 8/10


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