2026-10-08
Eigentlich mag ich Dieter Kassel, aber heute hat mich sein Beitrag über Margaret Hamilton geärgert.
In der Anmoderation wollte er die Namen der ersten Männer auf dem Mond nicht nennen, da der Name der Frau, ohne die es den Mondflug gar nicht gegeben hätte, nicht bekannt sei. Die alte Geschichte. (Eigentlich hätte ich gern Narrativ gesagt, aber dieses nützliche Wort ist ja nach kurzem Höhenflug wieder in Ungnade gefallen.) Der ganze Fortschritt der Menschheit ist nur den Frauen zu verdanken, aber wegen der perfiden Unterdrückung durch Männer, wird deren Leistung nicht anerkannt. Und sie sei ein Genie gewesen. Mag sein. Nur sind bei Männern, die sich auf der Kulturseite sehen, alle Menschen, die einen Dreisatz lösen können, schon Genies.
Man kann das auch genau umgekehrt lesen. Margaret Hamilton war nicht eine unterbezahlte Sekretärin, die die ganze Arbeit machte, für die ihr Chef dann den Ruhm einsackte. Sie war die Chefin eines hundertköpfigen Teams, das für die Erstellung der Software für das Apollo-Projekt verantwortlich war. Die NASA hat Frauen nicht unterdrückt, sondern: die Talentierten ge- und befördert. Und sogar ihr Kind durfte sie mit zur Arbeit bringen. Fortschrittliches Denken führt zum Erfolg.
Hätte es ohne sie den Mondflug nicht gegeben? Das glaube ich nicht. Alle Menschen lassen sich ersetzen. Aber sie hat den Begriff Software Engineering erfunden - oder zumindest populär gemacht. Auch keine schlechte Leistung.
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