2026-08-14
Leichtathletik-EM in Birmingham. Da sind wir also 10Kampfsieger geworden. Wie schön. Leo und Niklas und im Hintergrund (Platz 8) Amadeus. Allerdings wird das Vergnügen deutlich getrübt durch die komplett austauschbaren, weichgespülten Antworten der Sportler. Dabei sein ist alles, hieß es früher, wenn man in seiner Disziplin nichts zu reißen imstande ist. Das gehört dazu. Aber nun sind alle dabei, um es „zu genießen”. Die sollen nicht genießen, sondern leiden und siegen.
Jedenfalls freut man sich schon, wenn Owen Ansah sich angewidert abwendet, wenn nach seinem grandiosen 200m-Vorlauf von einer komplett unbegabten Reporterin nach dem Zustand seines Kopfes angesichts des Dopingproblems gefragt wird.
Das Highlight der Veranstaltung bisher aber das Interview mit Lea Meyer nach dem Hindernislauf. Die war die ganze Zeit vorne weg gelaufen, ist dann leider ins Wasser gefallen und nur vierte geworden. Und nun sagte sie, erstens, dass sie sich scheiße fühle, aber sie sagte auch, sie habe eine Medaille verdient, da sie die beste Hindernisläuferin sei. Während die Siegerin, Frau Krause, die die ganze Zeit in ihrem Windschatten lief, zum Abschaum der Menschheit gehöre. (Ganz so hat sie es nicht gesagt, aber dem Sinne nach.) Der Reporter meinte nachher sich bzw. sie quasi dafür entschuldigen zu sollen. Man müsse von dieser Aussage die Emotionen wegstrippen. Finde ich gerade nicht.
Was mich aber an den Rand der Verzweiflung bringt, ist etwas anderes. Nach jedem Event werden jetzt Mama, Papa, Freundin, Oma, Hund und Quitscheente des Athleten interviewt. Alle sind stolz und alle sagen, das Allerwichtigste sei, dass die Jungs und Mädels „genießen”.
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