2026-07-30
Vor ein paar Jahren, aber viel zu spät, las ich die Odyssee, aber nicht zum Vergnügen, sondern aus Pflichterfüllung, und einen bleibenden Eindruck hat das nicht hinterlassen. Ganz anders als Kirk Douglas, der in Ulysses der Verfilmung von 1954 von Mario Camerini den homerischen Helden spielt.
Letztes Jahr gab sah ich im Flugzeug eine Verfilmung von Uberto Pasolini mit Ralph Fiennes, The Return. Ralph Fiennes als Odysseus? Ich muss zugeben, dass das eine Weile dauerte, bis ich mich an ihn gewöhnte, aber nach einer halben Stunde war er für mich Odysseus. Er spielte mit einer Intensität und Glaubwürdigkeit, an die Kirk und erst recht nicht Matt Damon heranreichen. (Ein guter Schauspieler zu sein, ist in der Filmbranche erstaunlich hilfreich.)
Und damit komme ich zur aktuellen Christopher Nolan-Verfilmung. Nach der Vorschau hatte ich eigentlich gedacht, mir das sparen zu können, aber wie das leider so ist, diese Art von Filmen sind „too big to fail“, was heißen soll, Events, alle sehen sich das an.
Wie war der? Zugegeben, Nolan schafft es, einen gewissen Sog zu erzeugen, der Sound und die Bilder sind großartig. Die Bilder sind großartig, aber nicht unbedingt das, was gefilmt wird. Nehmen wir die Zyklopen-Episode. Das ist vielleicht künstlerisch wertvoll inszeniert, aber komplett öde, verglichen mit Ulysses. Der Zyklop? Lachhaft. Und wenn es eines gibt, was noch doofer ist als Explosionen im Weltall, dann sind es Riesen, die die Proportionen von Normalgroßen haben. Zum Heulen. Auch Scylla und Charybdis sind viel beeindruckender bei Camerini. Am allerschlimmsten aber der Schlusskampf, das Gemetzel gegen die Freier. Es ist mir unverständlich, dass ein Film, der wahrscheinlich mindestens zehnmal so viel gekostet hat wie The Return, den Kampf so uninspiriert umsetzen kann. Ralph Fiennes konnte ich glauben, dass er die Freier besiegt. Matt Damon hätte nach einer Minute erledigt sein müssen. Die lassen sich, einer nach dem anderen umbringen, wie es Batmans Feinde nicht besser können.
Die Geschichte mit Sinon hat mir gut gefallen (kommt aber bei Homer nicht vor). Man muss also, um Odysseus heute ins Kino zu bringen, Sachen hinzudichten? Und dafür andere weglassen? Wie die Niemand-Geschichte. (Okay, die fand ich schon immer ausgesprochen blöd, fast so blöd wie das Auftrennen des tagsüber Gewebten). Auch die Hades-Szene war ziemlich gut. Aber ganz und gar misslungen, die Kalypso-Geschichte. Ein Jammer, denn Charlize Theron wurde geboren, um Kalypso zu spielen. Genau so und nicht anders habe ich sie mir vorgestellt. (Meine Peergroup war nicht begeistert von ihr.) Was macht Nolan daraus? Ein asexuelles Paar, das die Jahre damit verbringt, Lotusblüten zu essen. Der arme Odysseus hat vergessen, dass er eine liebende und wartende Frau hat. Normalerweise kann ich schon einen keuschen Kuss im Kino nur ungern ertragen, aber in diesem Fall hätte es unbedingt Sex-Szenen geben müssen. Die Geschichte ist sonst völlig sinnlos. Der Mann hat sich sieben Jahre lang der schönen Frau hingegeben. Bei Camerini ist das Thema, bei Nolan nicht. Wegen Altersfreigabe und weil man noch ein paar Dollars mehr verdienen wollte?
Je länger ich schreibe, desto schwächer finde ich den Film. Aber so übel ist er auch wieder nicht. Holland, Pattinson, Hathaway alle ganz okay.
7/10
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