2026-07-08
Drei Menschen stellt Johan Simons auf die Bühne. Die spielen Antigone und Kreon, Ismene, Haimon, Tiresias und den ganzen Chor. Zum Glück zieht sich Constanze Becker eine Pappkrone auf, wann immer sie Kreon spielt, so dass das schon mal klar ist. Jens Harzer ist meistens Antigone, und wer sonst könnte die darstellen?
Bekanntlich möchte Kreon den Polyneices vor den Toren der Stadt verrotten lassen, weil der gegen die Stadt gezogen war. Dessen Schwester Antigone allerdings meint, dass die Götter ein ordentliches Begräbnis dennoch angemessen fänden.
Das also das Drama, das dadurch verstärkt wird, dass der Verlobte Haimon (Harzer) den alten Kreon, seinen Vater, bittet, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Welche Rolle nun genau die Schwester Ismene, Kathleen Morgeneyer, spielt, außer dass sie sich von der Schwester, wenn es denn gerade die Schwester ist, auf der Bühne herumtragen lässt, habe ich nicht so ganz, also gar nicht, verstanden.
Verstehen ist das Stichwort. Das ist nicht so einfach, Sophokles (dessen Schwert ja über uns allen schwebt) in der Übersetzung von Hölderlin. Da muss man schon sein ganzes Bildungsbürgertum zusammenkratzen und sich in einen Modus versetzen, der einem suggeriert, das nicht nur toll finden zu sollen, sondern es wirklich nach einer relativ kurzen Gewöhnungsphase, toll zu finden. Hauptsächlich Harzer. Die Illusion, die langen Monologe zu verstehen, ist beinahe perfekt. Das nenne ich Kunst. Was Kreon dagegen zu sagen hat, ist so verständlich, dass es beinahe schon suspekt ist. Kann der das meinen, respektive sie? Die Vögel sollen ihn fressen, er hat es nicht anders verdient.
Und nach diversen Selbstmorden steht er da, und hat Gelegenheit, möglicherweise, seinen Starrsinn zu bereuen.
Berliner Ensemble
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