Liedzeit

Richard III

2026-05-27

Schon wieder Richard III. In 105 Minuten mal so kurz runtergespielt. Da bleibt eine Menge auf der Strecke. Nicht, dass ich mich beklage, habe ja selbst kein Sitzfleisch. Aber ein wenig betrogen fühle ich mich doch.

Die Hauptattraktionen sind natürlich dabei. Das Werben um Anne, hauptsächlich, das Abmurksen der Neffen und das neuerliche Werben. Am Schluss ist Richard (genannt Richard, während die anderen Schohrsch und Edwaad und so heißen, keine Ahnung warum) sogar bereit, sein Königreich gegen ein Pferd zu tauschen, wie er per Telefon mitteilt. Dabei war er da schon so gut wie tot, getötet von den Ladies im Stück. Wobei eine davon, die Hastings spielte, gerade von ihm getötet worden war. Na gut, da will ich nicht kleinlich sein.

Denn die wesentliche Frage ist, wie war Richard? Und die Antwort heißt: sensationell. André Kaczmarczyk heißt der Mann. Zum Eindruck, den der hinterließ gehörte nicht unwesentlich, dass er auf Plateauschuhen ohne Absatz lief, also quasi die ganze Zeit auf Zehenspitzen, das machte ihn größer, teuflischer und deutete irgendwie auch die Verkrüppelung an, kein schlechter Regieeinfall. Und die Selbstgespräche, kurze Bemerkungen Richtung Publikum, waren alle effektvoll, ohne aufdringlich zu sein. Gutes, schlichtes Bühnenbild, keine langen Musikpassagen, ganz und gar nicht schlecht.

Leider waren die anderen Schauspieler nicht so toll, besonders nicht die Neffen. Da das eine Düsseldorfer Inszenierung war, nehme ich an, dass die eigentlichen Jungs nicht mitfahren durften, und man kurzfristig auf der Langen Reihe nach Ersatz suchen musste. Allerdings erklärt das nicht, warum auch die Mutter schwach war.

Schauspielhaus


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