Liedzeit

The Banshees of Inisherin

2023-01-11

Ein Mann wartet im Pub auf seinen besten Freund. Der kommt auch irgendwann, setzt sich aber an einen anderen Platz. Er will, stellt sich heraus, mit unserem Mann, dem grandiosen Colin Farrell, nichts mehr zu tun haben. Nein, sie hatten keinen Streit. Brendan Gleeson, der Freund, hat nur keine Lust mehr, seine Zeit mit Colin zu verschwenden. Denn der ist vielleicht der netteste Mann des Dorfs (wir befinden uns auf einer irischen Insel) aber vielleicht nicht der hellste.

Aber auch nicht der dümmste (wobei nice ursprünglich dimwitted bedeutete), meint er zumindest selbst, denn der Dorftrottel ist eigentlich Dominic (Barry Keoghan). Obwohl der touché sagen kann. Und Colins Schwester (Kerry Condon) einen sensationellen Antrag macht, zwar etwas (gespielt?) unbeholfen, aber von einer rhetorischen Brillanz, die den Ball eindeutig an Colin zurückgibt. Leider wird Dominic von der Schwester zurückgewiesen und geht darum ins Wasser. Es sei denn, dieser Schritt erscheint ihm notwendig, weil Colin aus Enttäuschung über die Ablehnung von Brandon nun selbst “mean” wird, indem er nämlich einen Bekannten seines Exbesten belügt. (Zum Glück hält immerhin die Tierliebe bis zum Schluss.)

Brandon kommt nun auf die tolle Idee, damit zu drohen, sich einen Finger nach dem anderen abzuhacken, wann immer Colin ihn anspricht. Das kam mir ein wenig übertrieben vor, zumal davon auszugehen war, dass das ihn nicht abhalten würde. Dominic meint auch, es wäre nur ein Bluff. Ist es aber nicht, und so verschwindet der erste Finger. Und dann, das kann ich dem Drehbuch nicht verzeihen, die nächsten vier auf einmal (und zwar von seiner Geigenhand, die ihm eigentlich die Unsterblichkeit bringen soll). Was soll das? Dann muss auch noch der unschuldige Zwergesel dran glauben, was zur Eskalation führt.

Alles tragisch. Und die Comedy-Elemente, die dem Film Einzug in die leichtere Kategorie und damit zum Golden Globe geführt haben, sind eher für die oberflächlichen Zuschauer gedacht. Wer lacht schon über eine Beicht-Szene? Viele, leider.

Es ging, sagt eine der Mitbesucherinnen, in diesem Film um den Irland-Konflikt. Es ging um den beabsichtigten Selbstmord des Brandon, sagt der Nächste. (Und er bricht mit dem Freund, um diesem Kummer zu ersparen!). Man solle nicht darüber nachgrübeln, meint ein Dritter. Ich bringe alle gegen mich auf, weil ich den Film unrealistisch fand.

Nicht schlecht, und man kann sich ja auch an schauspielerischen Leistungen begeistern. Die Geschichte ist aber - spinnert.

8/10, Abaton


Kommentare

Keine Kommentare bisher.

Kommentar hinzufügen



|