Liedzeit

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

2026-03-14

Muss man das Buch von Joachim Meyerhoff verfilmen? Nicht unbedingt, aber wenn man es tut, dann so wie Simon Verhoeven hier. Ein echtes Luxusproblem stellt sich, da ich nicht weiß, ob ich das Drehbuch und Regie oder die Darsteller mehr loben soll.

Senta Berger als gurgelnde Oma ist schon einmal so gut wie nie. Den Enkel Lieberling zu nennen, ohne dass es albern klingt, macht ihr so schnell niemand nach. Aber der Opa, Michael Wittenborn, ist fast noch besser. In einer Szene, herrscht er Bruno/Joachim an, er solle nicht nur immer beobachten, sondern zuhören und verstehen und wirft ihn aus dem Krankenzimmer.

Einen der größten deutschen Schauspieler zu portraitieren, gelingt Bruno Alexander nicht immer ganz 100%ig aber erstaunlich gut und glaubhaft. Der geht nach München, um Schauspieler zu werden. Hat nur eine Rolle, statt der geforderten drei einstudiert. Aber besser eine gut, als drei Scheiße, sagt er. Und er macht es gut, dann soll er improvisieren und sagt nichts, außer Tschüss. Das wars dann wohl würde man denken, wenn die Geschichte nicht a) dann aus und b) bekannt wäre. Also Schauspielunterricht. Er macht den ganzen Affenkram, „ihr seid Nudeln und werdet gekocht“, wenn überhaupt nur ungern mit. Singt aber später Tainted Love, um seinen Bruder zu ehren. Was bei den Schauspielunterrichtsszenen toll ist, ist das die Kollegen und Kolleginnen alle für sich auch überzeugen. Natürlich nicht ganz so wie Tom Schilling in einer Mini-Rolle. Aber auch die Eltern und die Lehrer sind alle wunderbar.

Das Buch zeichnet sich ja durch Komik und Tragik aus, und das tut der Film auch. In seiner ersten Filmrolle (und fast der einzigen) wird der Held nachsynchonisiert. Bitter. Und dann reicht es am Ende nur für Kassel.

Morgen gibt es die Oscars, von den vier Nominierten, die ich gesehen habe, hat ihn keiner so verdient wie dieser.

9/10, Kinowelt Westerland


Kommentare

Keine Kommentare bisher.

Kommentar hinzufügen



|