Liedzeit

Im Schatten der Krone

2026-03-12

Lange habe ich mich geweigert, aber irgendwann muss man den Tatsachen ins Gesicht sehen, und so besuchte ich heute erstmals das Seniorenkino. Und ich hätte mir keinen besseren Film aussuchen können.

Bevor es losging, gab es zunächst eine 20-minütige Einführung über Schauspieler, Regisseur (Richard Thorpe) und Synchronsprecher. Dann eine Wochenschau aus dem Jahre 56 (Hochwasser und die Berliner gewannen 3:2 gegen Kiel im Handball.) Dann eine Art frühes Musikvideo. Aber dann.

Gong, noch ein Gong und Vorhang auf. So muss Kino sein. Credits mit schönen Verzierungen der Schrift und Musik von Alfred Newman. Man weiß sofort, da kann nichts schief gehen.

Ich hatte den Film vor über 50 Jahren gesehen und toll gefunden, und ein wenig befürchtet, er könnte selbst für mich etwas zu altbacken sein. Aber nein. Die Geschichte ist vielleicht bekannt. Rudolf Rassendyll kommt nach Ruritania um Forellen zu fangen. Am Bahnhof erntet er ungläubige Blicke, denn er ähnelt dem Prinzen zum Verwechseln, und ist, wie sich bald herausstellt auch weitläufig verwandt, weil ein mal Vorfahre in fremden Wassern fischte. Es gibt einen bösen Stiefbruder, der König anstelle des Königs werden möchte und einen noch böseren Rupert von Hentzau (James Mason). Stewart Granger in einer formidablen Doppelrolle und die erste angenehme Überraschung ist, dass der König, der dann erst betäubt dann gefangen genommen wird, zwar dem Trunke verfallen, aber ansonsten ein eher sympathischer Zeitgenosse ist. Nicht sympathisch genug für die Prinzessin Flavia, Deborah Kerr, die sich natürlich sofort in den englischen Rudolf verliebt, als der die Rolle des Säufers übernehmend, sich die Krone aufsetzen lässt. Die Prinzessin, die dem wahren König seit Kindertagen versprochen ist, kommt nun auf ihn zu, ihr Schicksal ertragend und sieht wie ihn der Mann (sie hatten sich ein paar Jahre nicht gesehen) anlächelt und sie nun, was tut sie? Sie lächelt zurück. Verblüfft, noch dezent aber sofort die offensichtliche Liebe erwidern müssend. Wenn es dafür keinen Oscar gibt, dann für nichts. Absolut fabelhaft.

Dann gibt es noch die Geliebte des Bruders, gespielt von Jane Greer (die nebenbei gesagt, viel besser als Deborah aussieht) und einen reizenden Charakter hat. Sie wird von von Hentzau geliebt, ist aber Michael treu ergeben. Natürlich weiß sie es zu verhindern, dass der Flavia heiratet, was er zu tun gedenkt, um auf den Thron zu gelangen. Alles ganz und gar wunderbar. Die große Frage natürlich, wie wird das aufgelöst, nach dem Showdown, Bruder stirbt, aber Mason und Granger fechten das aus. Nächste Überraschung, der Schuft entkommt. Und was jetzt?

Ich, kaum aus den Tränen kommend, sitze mit atemloser Spannung. Wird sie etwa aus Staatsräson der Liebe entsagen und den ungeliebten Säufer ehelichen?

Natürlich tut sie das. Denn, sagt sie Stewart, der sie zur Flucht ins schöne England überreden will: Die Liebe ist nicht das Größte. Wäre es sie, hätte er, Rudolf Rassendyll nicht ihn, König Rudolf V. gerettet. Dagegen gibt es kein Argument.

Der Film heißt ja The Prisoner of Zenda, aber hier gefällt mir der deutsche Titel eigentlich besser, denn der Gefangene spielt ja keine große Rolle (wobei er in den Szenen, in denen sie beide spielen, er viel besser als der Engländer ist), aber wer will schon einen Film sehen der Der Doppelgänger des Gefangenen von Zenda heißt.

Unsereins will ja Filme lieber im Original sehen, aber die Kunst der Synchronisation war in den 50er Jahren auf einem einsamen Höhepunkt. Wolfgang Lukschy ist großartig, aber noch viel besser Erik Ode (Mason) und Siegfried Schürenberg (General Zapf), des Hauses redlicher Hüter.

10/10 Metropolis


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