Liedzeit

Long live the King

2022-09-10

Wie nicht anders zu erwarten, wird der Tod der englischen Königin in einer Weise beklagt, die in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung steht.

Der Kommentar in der SZ heute hat den Titel Elizabeth die Große. Verstehe schon, aber in Wirklichkeit ist das eine Beleidigung der Namensvetterin, die das Epithet verdient hat.

Die Menschen mögen Beharrungsvermögen. Und einen Job 70 Jahre gemacht zu haben verdient schon an sich Respekt. (Selbst Frau Merkel oder Herr Kohl sind am Ende ihre Laufbahn verehrt worden, aus keinem anderen Grund als dem, dass sie ihren Job lange gemacht hatten.) Dazu gehört Disziplin. Aber Disziplin ist eine Sekundärtugend.

Ihre hauptsächliche Aufgabe bestand darin, die Institution, die sie verkörperte, bestehen zu lassen. Das ist ihr gelungen. Und so durfte sie den Stab an ihren Sohn weitergeben.

Was hätte sie tun sollen, um meinen Respekt zu verdienen? Klar, sie durfte sich nicht politsch engagieren. Aber niemand hätte es verhindert können, wenn sie in einer ihrer Weihnachtsansprachen angedeutet hätte, dass die Brexitbefürworter hirnlose Idioten seien. Oder, dass sie gerne das anchronistische Pfund abgeschafft sähe. Something like that.


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